Reiseratgeber
Reittherapie im Urlaub: Angebote für Menschen mit Behinderung
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Kurz erklärt:
Reittherapie im Urlaub meint pferdgestützte Angebote, die verschiedene Betriebe für Menschen mit Behinderung bereithalten. Der Begriff selbst ist nicht geschützt. Fachlich unterscheidet das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten mehrere Bereiche: die Hippotherapie, die heilpädagogische und pädagogische Förderung mit dem Pferd, die ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd sowie den Pferdesport für Menschen mit Behinderung. Im Urlaub begegnen Ihnen je nach Betrieb sowohl therapeutische Angebote als auch Freizeit- und Förderangebote wie geführtes Reiten, Bodenarbeit oder Pferdepflege. Eine durchgehende Therapieserie ist in einer Urlaubswoche selten möglich. Ob und welche Kosten die Kasse übernimmt, hängt von der Art des Angebots ab.
Reittherapie im Urlaub – für manche ist das ein alter Wunsch, für andere ein neuer Gedanke. In beiden Fällen beginnt die Planung mit denselben Fragen: Was wird angeboten, wer trägt die Kosten – und worauf müssen Menschen mit Behinderung bei diesem Angebot achten?
Was ist mit „Reittherapie" eigentlich gemeint?
Fangen wir beim Angebot an. Betriebe verwenden Begriffe wie „Reittherapie", „therapeutisches Reiten" oder „pferdgestützte Förderung". Was sich dahinter jeweils verbirgt, ist nicht immer direkt erkennbar. Fachlich lassen sich vier Bereiche unterscheiden:
- Hippotherapie:
Eine Physiotherapeutin mit Zusatzqualifikation setzt die Bewegung des Pferdes gezielt als Reiz ein – etwa um Rumpfstabilität oder Gleichgewicht zu fördern. Geritten im eigentlichen Sinn wird nicht; die Person sitzt auf dem Pferd und wird bewegt. Die Behandlung erfolgt auf ärztliche Verordnung. - Heilpädagogische und pädagogische Förderung mit dem Pferd:
Hier steht nicht der Körper im Vordergrund, sondern die Begegnung mit dem Tier. Beim Führen, Pflegen und Beobachten des Pferdes werden Selbstvertrauen, Wahrnehmung und soziale Fähigkeiten gefördert. - Ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd:
Die Arbeit findet überwiegend am Pferd statt, nicht auf ihm. Beim Putzen, Führen und im direkten Kontakt mit dem Tier werden Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und der Umgang mit Emotionen geübt. - Pferdesport für Menschen mit Behinderung:
hier geht es um Sport, nicht um Therapie – vom Reitunterricht bis zum Wettkampf.
Wichtig für die Urlaubsplanung: Nur weil ein Hof „therapeutisches Reiten" anbietet, arbeitet dort nicht automatisch eine Fachkraft mit anerkannter Weiterbildung. Fragen Sie nach der Qualifikation. Ein seriöser Betrieb beantwortet das gern.
Welche Angebote gibt es außerhalb der Therapie?
Neben den therapeutischen Angeboten gibt es auch Formate, die rein der Freizeitgestaltung dienen. Einige Beispiele:
- Geführtes Reiten: Ein Pferd, eine Person am Führstrick, je nach Bedarf zusätzlich Helfende links und rechts.
- Bodenarbeit: Das Pferd vom Boden aus führen, es um Hindernisse leiten, gemeinsam anhalten.
- Pferdepflege: Putzen, Hufe auskratzen, füttern – Kontakt zum Tier ohne die Anforderung, sich oben zu halten.
- Kutschfahrten: Für Menschen, für die der Aufstieg aufs Pferd nicht infrage kommt.
Woran erkennen Sie ein passendes Angebot?
Nicht jeder Betrieb, der pferdgestützte Angebote macht, ist auf Menschen mit Behinderung eingestellt. Vor der Buchung lohnt sich ein Telefonat, in dem Sie folgende Punkte ansprechen:
- Aufstieg: Gibt es eine Rampe oder eine elektrische Aufstiegshilfe? Wie viele Personen unterstützen dabei?
- Ausstattung: Stehen Therapiesättel, angepasste Steigbügel oder Haltegriffe zur Verfügung? Fragen Sie auch nach Helmen – viele Betriebe stellen sie. Mitbringen sollten Sie feste Schuhe und eine lange Hose.
- Qualifikation: Welche Weiterbildung hat die Person, die die Einheit leitet?
- Wege: Sind Stall, Halle und Reitplatz mit dem Rollstuhl oder Rollator erreichbar – auch bei Regen?
- Unterkunft: Ist sie barrierefrei? Wie weit ist der Weg zum Stall oder zur Reithalle?
- Vorgespräch: Fragt der Betrieb von sich aus nach Diagnose, Medikamenten und Körpergewicht? Die Frage nach dem Gewicht dient dem Schutz des Pferdes.
Was kostet das – und zahlt die Kasse?
Das hängt vom Angebot ab. Die Hippotherapie steht in Anlage 1 der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses unter den Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen als nicht nachgewiesen gilt. Sie ist damit nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig. Für reine Freizeit- und Sportangebote im Urlaub gilt das ohnehin.
Anders bei der ergotherapeutischen Behandlung mit dem Pferd: Ergotherapie ist ein anerkanntes Heilmittel und kann ärztlich verordnet werden. Setzt die Ergotherapeutin das Pferd als Mittel in der Behandlung ein, ist eine Abrechnung über das Ergotherapie-Rezept möglich.
Darüber hinaus sind je nach Einzelfall weitere Wege denkbar. Leistungen der Eingliederungshilfe nach dem SGB IX oder ein Persönliches Budget können pferdgestützte Angebote abdecken, wenn sie der Teilhabe dienen und im Teilhabeplan stehen. Bei Kindern und Jugendlichen kommt unter Umständen die Kinder- und Jugendhilfe infrage. Ob das trägt, entscheidet sich am konkreten Bedarf, nicht am Angebot des Betriebs.
Vor der ersten Einheit
Sprechen Sie vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Es gibt Situationen, in denen vom Reiten abgeraten wird; das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten führt dazu eine eigene Übersicht, die Fachkräfte anwenden. Klären Sie außerdem, wie mit Medikamenten, Anfällen oder Kreislaufproblemen umgegangen wird, falls das für Sie eine Rolle spielt.
Wenn Sie eine Reise mit Pferd erwägen
Klären Sie vorab, welche Art von Angebot Sie suchen, und nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit dem Betrieb auf. Die meisten Fragen lassen sich in einem Telefonat beantworten – und ein Betrieb, der sich dafür Zeit nimmt, ist in der Regel auch vor Ort gut aufgestellt.



