Reiseratgeber


Barrierefreier Urlaub an der Ostsee: Strände und Unterkünfte

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Das Rauschen der Wellen, salzige Luft, Wind über den Dünen – die Ostsee lässt sich spüren, bevor die Füße den Sand berühren. Und dieser Moment ist auch mit Rollstuhl, Rollator oder Gehhilfe erreichbar. An der Küste hat sich in den letzten Jahren viel getan, und ein barrierefreier Urlaub an der Ostsee ist heute an vielen Orten möglich: befestigte Strandzugänge, ausleihbare Strandrollstühle und geprüfte Unterkünfte gehören dazu.

Dieser Guide begleitet Sie durch die Planung – vom Strand über die passende Unterkunft bis zur Anreise.

Was barrierefreien Urlaub an der Ostsee ausmacht

Ein schöner Strandtag beginnt nicht erst am Wasser, sondern am ersten Meter Weg. Vier Dinge entscheiden darüber, ob er ohne Hürden gelingt:

  • Zugang – ein fester Untergrund vom Parkplatz oder der Promenade bis auf den Sand
  • Hilfsmittel – Strand- und Baderollstühle für den Weg über den Sand und ins Wasser
  • Sanitäranlagen – zugängliche Toiletten und Duschen in Strandnähe
  • Unterkunft – ein Quartier, das zu Ihrem Bedarf passt

Ob ein Ort für Sie passt, hängt oft an einem Detail: Manche Zugänge enden am Fuß der Dünen, andere führen bis ans Wasser. Klären Sie das am besten schon vor der Anreise.

Barrierefreie Strände an der Ostsee

An beiden deutschen Ostseeküsten sind viele Orte auf Gäste mit Behinderung eingerichtet. Diese Beispiele geben einen Eindruck, was möglich ist.


Mecklenburg-Vorpommern

  • Warnemünde – Strandaufgang 4 mit durchgehender Servicekette; kein Strandeintritt
  • Kühlungsborn, Heiligendamm, Zierow, Zingst – stufenlose Aufgänge, in Zierow mit Wattmobil bis ins Wasser
  • Koserow (Usedom) – Zufahrt bis zum Strandkorb, Strandrollstuhl vor Ort ausleihbar
  • Binz, Baabe, Thiessow (Rügen) – Zugänge bis ans Wasser; Bade-Rollstuhl in Binz und Prora (Anmeldung, kostenfrei)

Schleswig-Holstein

  • Fehmarn – Rampe an der Südstrandpromenade, Steg mit Wasserzugang, behindertengerechte Sanitäranlagen
  • Schönberg, Strande, Eckernförde – Strandrollstuhl ausleihbar (in Eckernförde schwimmfähig und kostenlos in der Saison); barrierefreier Strandkorb in Eckernförde (seit 2024)
  • Lübecker Bucht (Scharbeutz bis Pelzerhaken) – barrierefreie Zugänge an allen Stränden; Stege in Pelzerhaken, saisonale Holzbohlen in Scharbeutz

Mit dem Strandrollstuhl ans Wasser

Ein normaler Rollstuhl bleibt im Sand stecken. Ein Strandrollstuhl nicht: Seine dicken Ballonreifen rollen über den Strand bis an die Wasserkante. Baderollstühle schwimmen sogar – damit können Sie in die Ostsee.

Ausleihen können Sie diese Hilfsmittel meist bei der DLRG, der DRK-Wasserwacht oder der Tourist-Information, vielerorts kostenlos. Zwei Dinge sollten Sie einplanen: Über den Sand und ins Wasser schiebt Sie in der Regel eine Begleitperson. Und manche Rollstühle gibt es nur in der Badesaison oder nach telefonischer Anmeldung. Ein kurzer Anruf vorab schafft Klarheit.

Allgemeine Tipps für den Strandtag mit Rollstuhl finden Sie im Beitrag Strandurlaub für Rollstuhlfahrer.

Barrierefreie Unterkünfte finden

Ein Wort zu den Begriffen, denn sie führen leicht in die Irre. „Rollstuhlgeeignet" heißt meist nur: Die Räume sind befahrbar. „Rollstuhlgerecht" oder „barrierefrei" folgt dagegen festen Normen – mit stufenlosem Zugang, breiten Türen, ebenerdiger Dusche und Haltegriffen. Ist die Beschreibung nicht eindeutig, hilft ein kurzer Anruf.


Verlässliche Orientierung gibt das Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle". Es ist bundesweit einheitlich und wird vom Deutschen Seminar für Tourismus getragen. Der Unterschied zu vielen anderen Angaben: Die Daten stammen nicht aus der Selbstauskunft der Betriebe. Geschulte Erheber nehmen sie vor Ort auf, eine Prüfstelle bewertet sie nach einem festen Kriterienkatalog.


Dabei gibt es zwei Stufen. „Information zur Barrierefreiheit" bedeutet, dass für alle Personengruppen geprüfte, detaillierte Angaben vorliegen. „Barrierefreiheit geprüft" heißt darüber hinaus, dass ein Haus die Kriterien für bestimmte Gruppen ganz oder teilweise erfüllt – erkennbar an Piktogrammen, etwa für Rollstuhlfahrer oder für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung.


Geprüfte Häuser finden Sie auf Usedom und Rügen ebenso wie am Festland. Das Angebot an rollstuhlgerechten Wohnungen ist begrenzt – buchen Sie deshalb früh.

Sie brauchen ein Pflegebett?
Manche Häuser stellen eines ins Zimmer. Als Hilfsmittel lässt es sich unter Umständen über eine ärztliche Verordnung mit der Pflege- oder Krankenkasse abrechnen. Passende Unterkünfte finden Sie über unseren Ratgeber Wie finde ich barrierefreie Hotels und Unterkünfte?.

Anreise und Mobilität vor Ort

Auch die Anreise lässt sich gut planen. Mit der Bahn unterstützt Sie die Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn beim Ein-, Um- und Aussteigen – melden Sie den Bedarf möglichst bis 20 Uhr am Vortag an.


Vor Ort sind viele Promenaden und Seebrücken stufenlos zugänglich. Regionale Busse nehmen Rollstuhlfahrende oft mit, aber nicht auf jeder Fahrt liegt eine Rampe bereit; eine Voranmeldung, teils bis 48 Stunden vorher, ist dann sinnvoll. Mit sichtbarem Parkausweis stehen vielerorts ausgewiesene Behindertenparkplätze bereit. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Navigation am Urlaubsort.

Kurz vor der Buchung

Zwei Dinge werden leicht übersehen. Nehmen Sie den Nachweis über Ihre Behinderung mit – auf die Kurtaxe gibt es damit vielerorts eine Ermäßigung. Und wo es Prüfberichte von „Reisen für Alle" gibt, lohnt ein Blick hinein: Sie beschreiben jede Unterkunft und jeden Zugang im Detail.



Ein Strandtag an der Ostsee ist auch mit Rollstuhl, Rollator oder Gehhilfe möglich. Entscheidend ist die Vorbereitung: der richtige Strandzugang, die passende Unterkunft. Ist das geklärt, können Sie den Strandtag einfach genießen: den Wind, das Wasser und den weiten Blick über die See.